In der Eissporthalle am Seilersee herrschte gestern Abend eine Atmosphäre, die zwischen blankem Entsetzen und purer Ekstase pendelte. Die Iserlohn Roosters lieferten ihren Fans ein Wechselbad der Gefühle, das selbst hartgesottene Eishockey-Enthusiasten an ihre emotionalen Grenzen brachte. Nach einem desaströsen ersten Drittel mit 0:3-Rückstand gegen die Dresdner Eislöwen gelang den Sauerländern ein Comeback, das in die Vereinschronik eingehen dürfte.
«Das war definitiv nichts für schwache Nerven«, gestand Roosters-Coach Greg Poss nach der Partie. «Aber genau solche Spiele schweißen eine Mannschaft zusammen. Die Jungs haben nie aufgegeben und wurden dafür belohnt.» Der Wendepunkt kam zu Beginn des zweiten Drittels, als Kapitän Hubert Labrie mit einem Distanzschuss den wichtigen Anschlusstreffer erzielte und die bis dahin lethargische Halle wachrüttelte.
Was folgte, war ein Paradebeispiel für die oft zitierte deutsche Eishockey-Tugend «Moral«. Angetrieben von über 4.500 lautstarken Fans drehten die Roosters binnen 18 Minuten einen 0:3-Rückstand in eine 4:3-Führung. Besonders Tyler Boland, der in Dresden ausgebildet wurde und mit zwei Treffern gegen seinen Ex-Klub glänzte, avancierte zum Matchwinner. «Ich habe vor dem Spiel noch mit einigen alten Teamkollegen geschrieben», verriet der Kanadier. «Die Sticheleien werden jetzt wohl etwas einseitiger ausfallen.»
Die Statistik zeigt eine bemerkenswerte Effizienz: Bei nur 22 Torschüssen erzielten die Roosters fünf Treffer – eine Quote, die selbst Spitzenteams selten erreichen. Dresdens Trainer Andreas Brockmann wirkte nach dem Spiel entsprechend konsterniert: «Wir haben 40 Minuten hervorragendes Eishockey gespielt. Dass wir trotzdem mit leeren Händen dastehen, ist bitter, aber auch ein Beweis für die mentale Stärke der Iserlohner.»
Mit diesem Sieg klettern die Roosters auf Tabellenplatz sechs und festigen ihre Playoff-Ambitionen. Und die Fans? Die feierten noch lange nach Spielende. In Iserlohn weiß man eben: Es ist nicht entscheidend, wie du spielst – am Ende zählen die Punkte. Und gestern waren es drei ganz wichtige.