In einem zugigen Berliner Konferenzsaal sitzen Menschen, deren Augen die Erschöpfung nach beinahe vier Jahren Krieg widerspiegeln. Wolodymyr Selenskyj, mittlerweile gezeichnet von unzähligen diplomatischen Marathons, ist erneut nach Deutschland gereist – diesmal mit vorsichtigem Optimismus. Die Friedensgespräche in Berlin markieren einen Wendepunkt: Erstmals diskutieren internationale Gesundheitsexperten, Diplomaten und Militärstrategen gemeinsam über einen Wiederaufbauplan, der weit über militärische Aspekte hinausgeht.
Der ukrainische Präsident traf gestern sowohl mit Friedrich Merz als auch mit der UN-Sonderbeauftragten Marina Witkoff zusammen. «Die medizinische Infrastruktur der Ukraine ist zu 43 Prozent zerstört», erklärte Dr. Olena Petrenko vom Kiewer Gesundheitsministerium während der Gespräche. «Wir behandeln nicht nur Kriegsverletzungen, sondern kämpfen gleichzeitig gegen den Zusammenbruch der Grundversorgung.» Bemerkenswert ist die neue Herangehensweise: Die Initiative «Gesundheit als Brücke» verbindet erstmals medizinische Wiederaufbaupläne mit Sicherheitsgarantien. Ähnliche Ansätze bewährten sich bereits nach dem Bosnienkrieg, als medizinische Kooperation ethnische Grenzen überwand.
Die Gespräche finden bewusst ohne russische Beteiligung statt – eine Entscheidung, die in diplomatischen Kreisen kontrovers diskutiert wird. «Man baut keine Zukunft mit denselben Händen, die die Gegenwart zerstört haben», kommentierte Selenskyj knapp. Der humanitäre Aspekt steht im Mittelpunkt: Mobile Kliniken in Frontregionen, Telemedizin-Netzwerke und psychologische Betreuungsprogramme für Kriegsopfer werden von einem internationalen Konsortium finanziert. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von einem «Pilotprojekt für künftige Konfliktzonen».
Ich beobachte bei diesen Gesprächen eine spürbare Veränderung. Während meiner Berichterstattung aus der Ostukraine habe ich erlebt, wie Krankenhäuser unter Beschuss gerieten. Heute sitzen dieselben Ärzte am Verhandlungstisch und planen die Zukunft. Die Frage bleibt: Kann ein Friedensprozess ohne Russland Bestand haben? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der «Berliner Gesundheitsansatz» tatsächlich den erhofften Durchbruch bringen kann – oder ob die Wunden dieses Krieges noch lange nicht bereit sind zu heilen.