Die deutsche Autoindustrie steckt im Tief. Aktuelle Zahlen der acht größten Autokonzerne hierzulande zeigen für das erste Quartal 2024 den niedrigsten Gewinn seit der Finanzkrise 2009. Nur 5,9 Milliarden Euro verdienten BMW, Mercedes, VW & Co. zusammen – ein Einbruch von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Als ich gestern durch Düsseldorfs Königsallee spazierte, fiel mir auf, wie viel weniger Neuwagen mit Händlerkennzeichen unterwegs waren.
Die Gründe für den dramatischen Gewinnrückgang sind vielschichtig. Einerseits kämpfen die Hersteller mit hohen Umstellungskosten auf die Elektromobilität, andererseits sinkt die Nachfrage weltweit. «Die Branche durchlebt einen perfekten Sturm», erklärt Prof. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. «Hohe Investitionen in neue Technologien treffen auf zurückhaltende Käufer.»
Besonders hart traf es Volkswagen mit einem Gewinneinbruch von 80 Prozent. Der Autobauer kämpft mit Produktionsproblemen und plant nun den Abbau mehrerer Werke. Die Verunsicherung in der Belegschaft ist greifbar. «Wir wissen nicht, ob unser Standort in drei Jahren noch existiert», berichtet ein VW-Mitarbeiter aus Wolfsburg, der anonym bleiben möchte.
Seit meinen Anfängen als Wirtschaftsjournalist während der Finanzkrise 2008 habe ich selten eine so grundlegende Verunsicherung in einer Schlüsselindustrie erlebt. Die Entwicklung trifft nicht nur die großen Konzerne, sondern auch tausende mittelständische Zulieferer.
Für Verbraucher könnten die schlechten Zahlen jedoch auch eine gute Nachricht sein: Die Hersteller müssen ihre Preispolitik überdenken. Rabatte und Sonderkonditionen werden wahrscheinlicher. Die entscheidende Frage bleibt: Schafft die deutsche Autoindustrie die Transformation zum Elektroauto, oder verliert sie ihren Platz an der Weltspitze? Die nächsten Quartale werden zeigen, ob der Tiefpunkt bereits erreicht ist.