Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist heute zu einem Überraschungsbesuch in Berlin eingetroffen. Bereits am frühen Morgen landete seine Maschine auf dem militärischen Teil des Flughafens BER. In der Hauptstadt führt er Gespräche mit Bundespräsident Steinmeier im Schloss Bellevue und trifft später Bundeskanzler Scholz im Kanzleramt. Die Sicherheitsmaßnahmen sind massiv – viele Berliner spüren die Auswirkungen im Alltag.
«Die ganze Welt guckt nach Berlin«, sagte mir ein Polizist am Rande der Absperrungen nahe des Bellevue. Seit 5 Uhr morgens ist er im Einsatz. Rund um die protokollarischen Stationen wurden weiträumige Sperrungen eingerichtet. Die Berliner Polizei ist mit einem Großaufgebot präsent, unterstützt von Beamten aus anderen Bundesländern.
Besonders betroffen sind die Bereiche rund um Schloss Bellevue, das Kanzleramt und das Regierungsviertel. Pendler berichten von erheblichen Verzögerungen. «Normalerweise brauche ich 20 Minuten zur Arbeit, heute waren es fast 50«, erzählt Maria Neumann, die in einer Kanzlei am Potsdamer Platz arbeitet.
Der öffentliche Nahverkehr wurde teilweise angepasst. Die U-Bahnlinie U5 hält wieder am Bundestag, nachdem der Bahnhof am Vormittag gesperrt war. Busse werden umgeleitet, teilweise gibt es Ersatzverkehr.
An den Absperrungen haben sich Schaulustige versammelt, die einen Blick auf den ukrainischen Präsidenten erhaschen wollen. «Ich will ihm zeigen, dass wir hinter der Ukraine stehen«, sagt der 67-jährige Rentner Klaus Hoffmann, der extra aus Spandau angereist ist und eine kleine Ukraine-Flagge in der Hand hält.
Die Gespräche finden unter strengster Geheimhaltung statt. Wie ich aus gut informierten Kreisen erfahren habe, soll es vor allem um weitere Waffenlieferungen und langfristige Sicherheitsgarantien gehen.
Der Selenskyj-Besuch wirft ein Schlaglicht auf die Bedeutung Berlins als diplomatisches Zentrum. Wenn die Sicherheitslage es erlaubt, wird der Verkehr im Laufe des Abends schrittweise normalisiert. Bis dahin heißt es für viele Berliner: Geduld haben und Umwege einplanen.