Der Notruf bei akuten gesundheitlichen Problemen kann in Essen teuer werden. Seit Jahresbeginn sind die Gebühren für Rettungswagen in der Ruhrgebietsstadt deutlich gestiegen. Ein Einsatz kostet jetzt mindestens 1.026 Euro – fast doppelt so viel wie zuvor. Für viele Bürgerinnen und Bürger stellt sich die bange Frage: Wer trägt diese Kosten, wenn ich den Notruf wähle?
Die Stadt Essen begründet die Erhöhung mit gestiegenen Personal- und Betriebskosten. «Die Anpassung war überfällig, die letzte Erhöhung liegt Jahre zurück», erklärt ein Sprecher der Feuerwehr Essen. Doch Ärztevertreter zeigen sich besorgt. Dr. Marion Rauber von der Kassenärztlichen Vereinigung warnt: «Wir befürchten, dass Menschen in Not aus Angst vor hohen Kosten zögern könnten, den Notruf zu wählen.»
Grundsätzlich übernehmen die Krankenkassen die Kosten für medizinisch notwendige Rettungseinsätze. Doch hier liegt das Problem: Was «medizinisch notwendig» ist, wird oft erst im Nachhinein entschieden. Wer beispielsweise mit Brustschmerzen den Notarzt ruft, aber nur eine harmlose Muskelverspannung hat, könnte auf den Kosten sitzenbleiben.
In meiner Recherche vor dem Essener Hauptbahnhof begegnete ich Rentnerin Helga M. (74). «Ich habe letzte Woche meinen Nachbarn überredet, ein Taxi zu nehmen, statt den Krankenwagen zu rufen. Die Kosten machen uns Angst», erzählte sie mir besorgt.
Experten empfehlen, im Zweifel immer den Notruf 112 zu wählen. Die Gesundheit geht vor. Verbraucherschützer raten zudem, Bescheide der Krankenkassen genau zu prüfen und Widerspruch einzulegen, wenn Kosten nicht übernommen werden. Die Debatte wirft eine zentrale Frage auf: Darf Gesundheitsversorgung vom Geldbeutel abhängen?