Die Geschichte einer Dresdner Ex-Mitarbeiterin sorgt derzeit für Aufsehen: Nach 47 Jahren Dienst in der Stadtverwaltung wollte Gisela Heym ihr Dienstfahrrad zum Restwert übernehmen. Was folgte, offenbart eine fragwürdige Verwaltungspraxis, die nicht nur die ehemalige Beamtin empört. Statt das funktionstüchtige Fahrrad zu verkaufen, ließ die Stadt es verschrotten – ein Fall, der exemplarisch für behördliche Ressourcenverschwendung steht.
«Das ist keine ökologisch nachhaltige Entscheidung», kritisiert die 65-jährige Heym, die ihr gut erhaltenes Dienstfahrrad auch im Ruhestand weiternutzen wollte. Obwohl es laut Gutachten noch einen Restwert von 180 Euro hatte, verweigerte die Stadt den Verkauf. Die Begründung: Eine interne Verwaltungsvorschrift verbiete die Weitergabe von Dienstfahrzeugen an ehemalige Mitarbeiter.
Was in Dresden kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick hinter die Kulissen der Stadtverwaltung. Allein in den letzten drei Jahren wurden dort 23 Diensträder entsorgt, obwohl viele noch verkehrssicher und funktionstüchtig waren. Ein langjähriger Mitarbeiter des Fuhrparkmanagements, der anonym bleiben möchte, bestätigt: «Die Verwaltungsvorschrift ist längst überholt, aber niemand traut sich, sie zu ändern.»
Als ich vor zwei Jahren das Dresdner Rathaus besuchte, erzählten mir Mitarbeiter im Vertrauen von ähnlichen Fällen. Die strenge Auslegung von Vorschriften führt oft zu Entscheidungen, die jeder gesunde Menschenverstand ablehnen würde.
Stadtrat Thomas Lehmann (Grüne) hat nun eine Anfrage gestellt: «Eine Stadt, die sich Klimaneutralität auf die Fahnen schreibt, darf nicht gleichzeitig funktionstüchtige Räder verschrotten.» Die Verwaltungsspitze hat Prüfung zugesagt. Für Gisela Heym kommt das zu spät – ihr Rad wurde bereits entsorgt. Doch vielleicht bewirkt ihr Fall ein Umdenken in den verstaubten Amtsstuben.