Im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion sangen gestern Abend fast 19.000 Menschen gemeinsam Weihnachtslieder. Bei sternenklarem Himmel und Temperaturen um den Gefrierpunkt erstrahlte die Arena im Kerzenschein. Das traditionelle Adventssingen, das zum dritten Mal stattfand, hat sich als größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland etabliert.
«Es ist überwältigend zu sehen, wie Menschen aller Altersgruppen zusammenkommen», sagt Veranstalter Matthias Gründig. Mit zitternden Händen hielten Familien ihre Kerzen, während «Stille Nacht» durch das sonst von Fußballgesängen dominierte Stadion hallte. Begleitet wurden sie vom Dresdner Kreuzchor und lokalen Musikern.
Als gebürtige Hamburgerin bin ich immer wieder beeindruckt, wie stark solche Traditionen in Sachsen verwurzelt sind. Eine ältere Dame neben mir flüsterte: «Ich komme seit der ersten Veranstaltung, es gibt mir Kraft für den Winter.» Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage sehnen sich 76 Prozent der Deutschen nach solchen gemeinschaftlichen Erlebnissen in der Vorweihnachtszeit.
Die Einnahmen des Abends gehen an Dresdner Hilfsprojekte für obdachlose Menschen. «In Zeiten, wo viele nur an sich denken, zeigt Dresden hier ein anderes Gesicht«, betonte Oberbürgermeister Dirk Hilbert in seiner kurzen Ansprache.
Während die letzten Töne von «O du fröhliche» verklangen, blieben viele noch stehen, als wollten sie den Moment festhalten. Was in München als kleine Initiative begann, ist in Dresden zur Volkstradition geworden. Nächstes Jahr wird das Stadion wohl wieder ausverkauft sein – Karten gibt es ab Februar.