Die Saatkrähen von Unna fliegen jetzt bis nach Brüssel – zumindest symbolisch. Die SPD hat das Problem mit den lärmenden und verschmutzenden Vögeln nun auf EU-Ebene gehoben. Nach jahrelangem Kampf der Bürger gegen tausende Krähen, die Parkplätze, Autos und Gehwege verunreinigen, scheint Bewegung in die Sache zu kommen.
«Wir können nicht länger zusehen, wie Anwohner in manchen Stadtteilen kaum noch schlafen können», erklärt SPD-Ratsherr Michael Tietze. Laut aktueller Zählung haben sich über 2.500 Saatkrähen in Unna niedergelassen – mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.
Die Krux: Saatkrähen stehen unter strengem EU-Artenschutz. Ohne Ausnahmegenehmigung dürfen weder Nester entfernt noch Vögel vertrieben werden. Die bisherigen Maßnahmen wie Lärmkanonen oder Vergrämungsversuche durch Falkner zeigten nur kurzzeitige Wirkung. «Die Vögel sind erschreckend intelligent», berichtet Anwohnerin Sabine Meier. «Nach zwei Tagen haben sie sich an die Schreckgeräusche gewöhnt und kommen zurück.»
Als ich letzte Woche den Bürgerpark besuchte, konnte ich selbst erleben, wie die schwarzen Schwärme morgens und abends ohrenbetäubenden Lärm verursachen. Der weiße Vogelkot bedeckt ganze Straßenzüge wie Schnee im Winter.
Die SPD hat nun einen Antrag an das EU-Parlament gestellt, um Ausnahmeregelungen für besonders betroffene Kommunen zu erwirken. «Artenschutz ist wichtig», betont Tietze, «aber wenn eine geschützte Art zur Plage wird, brauchen wir flexible Lösungen.»
Ob Brüssel ein Einsehen haben wird, bleibt abzuwarten. Die Bürger von Unna hoffen jedenfalls auf baldige Entlastung von ihren krächzenden Nachbarn. Denn eines ist klar: Mensch und Vogel müssen einen Weg finden, nebeneinander zu leben – ohne dass einer von beiden die Lebensqualität des anderen massiv beeinträchtigt.