Die Burgstraße in Münchens Altstadt – ein fast vergessenes Juwel inmitten des Trubels. Kaum 200 Meter lang, verbindet sie den Marienhof mit dem Platzl und wird selbst von vielen Einheimischen übersehen. Als ich gestern dort unterwegs war, zählte ich gerade mal sieben Passanten in zehn Minuten – ein erstaunlicher Kontrast zur überfüllten Kaufingerstraße nur einen Steinwurf entfernt.
Die kleine Gasse hat eine bewegte Geschichte. «Hier befand sich einst die mittelalterliche Stadtmauer mit einem wichtigen Wachturm», erklärt Dr. Christina Fiedler vom Stadtarchiv München. Die alten Gemäuer sind längst verschwunden, doch der Charme ist geblieben. Zwischen Hausnummer 5 und 9 entdeckt man ein verstecktes Café, das selbst im Hochsommer schattige Plätze bietet.
Was die Burgstraße besonders macht, sind die gut erhaltenen Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Ein Kleinod ist das Eckhaus mit dem leicht schiefen Erker. «Das Gebäude überstand als eines der wenigen die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg fast unversehrt», weiß Anwohnerin Maria Huber, die seit 40 Jahren hier lebt.
Die Straße ist ein Paradebeispiel für die versteckten Schätze unserer Stadt. Auf meinen Streifzügen durch München entdecke ich immer wieder solche Orte – kleine Zeitkapseln, die vom hektischen Touristenstrom verschont geblieben sind. Die Burgstraße erinnert mich daran, dass manchmal die unscheinbarsten Ecken die interessantesten Geschichten erzählen.
Wer München wirklich kennenlernen will, sollte abseits der ausgetretenen Pfade wandeln. Die Burgstraße ist einer dieser Orte, an denen die Zeit etwas langsamer zu vergehen scheint. Ein Stück Alt-München, das darauf wartet, wiederentdeckt zu werden.