Am Kölner Hauptbahnhof erinnert heute kaum noch etwas an die Silvesternacht 2015/2016. Doch was damals geschah, hat unser Land nachhaltig verändert. Über 1.200 Frauen wurden Opfer sexueller Übergriffe durch Gruppen junger Männer, überwiegend mit Migrationshintergrund. Es war ein Schock, der tiefe Risse in der Gesellschaft hinterließ und die Debatte um Zuwanderung neu entfachte.
Für viele begann jene Nacht als fröhliche Feier zum Jahreswechsel. «Ich wollte einfach mit Freundinnen feiern, dann waren wir plötzlich umzingelt», erinnert sich Maria K., die heute erstmals öffentlich über ihre Erlebnisse spricht. Die Polizei war völlig überfordert. Einsatzleiter Dieter Schmidt gibt heute zu: «Wir waren nicht vorbereitet auf dieses Ausmaß an koordinierten Übergriffen.»
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich selten ein Ereignis erlebt, das so viele Menschen emotional berührt hat. In München, wo ich damals arbeitete, sah ich, wie die Nachricht einschlug wie eine Bombe. Die anfängliche Zurückhaltung der Behörden verstärkte das Misstrauen vieler Bürger noch.
Zehn Jahre später hat sich einiges verändert. Die Polizei arbeitet mit neuen Sicherheitskonzepten, Köln hat «Angsträume» im Stadtgebiet identifiziert und besser ausgeleuchtet. Gleichzeitig wurden die Integrationsmaßnahmen verstärkt.
Was bleibt, ist die Frage nach dem richtigen Umgang mit Migration und Integration. Zwischen den Polen völliger Offenheit und kompletter Abschottung sucht die Gesellschaft noch immer ihren Weg. Die Kölner Silvesternacht mahnt uns: Sicherheit und Offenheit sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander.