Die Elbe in Dresden erreicht historische Tiefststände. Mit aktuell nur 72 Zentimetern am Pegel Dresden liegt der Wasserstand 63 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert für Dezember. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie warnt vor anhaltender Niedrigwasserlage bis mindestens Mitte Januar.
Als ich gestern am Terrassenufer entlangspazierte, bot sich ein ungewöhnliches Bild: Die Elbe hat sich in ihr Bett zurückgezogen, ganze Sandbänke liegen frei. Wo sonst Ausflugsschiffe fahren, ragen jetzt historische Relikte aus dem Wasser – darunter Brückenfundamente aus dem 19. Jahrhundert.
«Diese anhaltende Trockenperiode ist außergewöhnlich für die Jahreszeit«, erklärt Dr. Claudia Petzold vom Umweltamt Dresden. «Wir sehen hier die Folgen des vierten zu trockenen Winters in Folge.» Die Binnenschifffahrt ist bereits zum Erliegen gekommen, die Frachtkapazität auf der Elbe ist seit Oktober komplett eingestellt.
Für die Dresdner Wirtschaft bedeutet das Niedrigwasser erhebliche Einbußen. Die Weiße Flotte Dresden musste ihre traditionellen Winterfahrten absagen – zum ersten Mal seit 15 Jahren. Über 200 Buchungen wurden storniert. «Uns fehlen dadurch etwa 80.000 Euro Einnahmen«, berichtet Kapitän Thomas Lohse, dessen Familie seit Generationen auf der Elbe fährt.
Gleichzeitig bietet die Situation auch Chancen für Forschung und Stadtgeschichte. Archäologen haben in den letzten Tagen mehrere wertvolle Funde aus verschiedenen Epochen sichern können, darunter Münzen und Keramik aus dem 17. Jahrhundert.
Die Stadt Dresden hat einen Krisenstab eingerichtet, der die Wasserversorgung überwacht. Bisher gibt es keine Engpässe für die Trinkwasserversorgung, doch bei anhaltendem Niedrigwasser könnten ab Februar erste Einschränkungen notwendig werden. Bleibt zu hoffen, dass der Januar endlich den lang ersehnten Niederschlag bringt – nicht nur für die Schifffahrt, sondern für das gesamte Ökosystem Elbe.