Seit drei Wochen steht der leuchtend rote Food-Truck jeden Mittwoch auf dem Kirchenplatz in Gießen. In dieser Zeit haben bereits über tausend Menschen dort kostenlos gegessen. Die Initiative «Ich zahl für zwei» ermöglicht es Bedürftigen, eine warme Mahlzeit zu bekommen, ohne dafür bezahlen zu müssen.
Wer es sich leisten kann, bezahlt nicht nur für das eigene Essen, sondern auch für eine zweite Portion, die dann an Menschen mit wenig Geld weitergegeben wird. Organisator Dirk Daniels vom Verein «Bedürftige Gießen» zeigt sich überwältigt vom Erfolg: «Wir hatten gehofft, dass die Idee ankommt, aber mit so viel Zuspruch haben wir nicht gerechnet.»
Der Food-Truck bietet wechselnde Gerichte an – von Currywurst über Pasta bis zu internationalen Spezialitäten. Jede Woche kommen zwischen 300 und 400 Menschen, darunter viele Stammgäste. «Hier treffen sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Der Bankdirektor isst neben der obdachlosen Person», erzählt Daniels.
Als ich letzte Woche vor Ort war, konnte ich beobachten, wie selbstverständlich das Miteinander funktioniert. Eine ältere Dame zahlte für vier Portionen, obwohl sie nur eine aß. «Ich kann mir das leisten und möchte etwas zurückgeben», sagte sie mir. Wenige Minuten später holte eine junge Mutter mit zwei Kindern ihr kostenloses Mittagessen ab.
Auch lokale Unternehmen beteiligen sich. Die Bäckerei Schmidt spendet Brötchen, der Supermarkt um die Ecke liefert Getränke. Sogar das Stadtmarketing unterstützt die Aktion inzwischen.
Der Food-Truck soll nun dauerhaft in Gießen bleiben. «Solange Menschen hungrig sind und andere bereit sind zu teilen, machen wir weiter», verspricht Daniels. In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten zeigt die Initiative, wie eine Gemeinschaft zusammenhalten kann – ein Teller Essen nach dem anderen.