In Berlin-Gesundbrunnen wurde gestern Nachmittag eine 26-jährige Frau mit Kopftuch unvermittelt angegriffen und verletzt. Der Vorfall ereignete sich gegen 16:30 Uhr auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs, als ein 39-jähriger Mann die junge Frau erst beleidigte und dann körperlich attackierte. Nach Polizeiangaben stieß er sie zu Boden und trat mehrfach auf sie ein.
Zwei couragierte Zeuginnen griffen sofort ein und konnten weitere Angriffe verhindern. Sie alarmierten die Bundespolizei, die den Tatverdächtigen noch am Bahnhof festnehmen konnte. «Die schnelle Reaktion der Helferinnen war entscheidend», erklärte Polizeisprecher Martin Weber vor Ort. Der mutmaßliche Täter sei den Behörden bereits wegen ähnlicher Delikte bekannt.
Die Frau erlitt Prellungen und wurde vom Rettungsdienst in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Ihre Verletzungen sind nach ärztlicher Auskunft nicht lebensbedrohlich, doch der psychische Schock sitzt tief. «Solche Übergriffe hinterlassen Spuren, die oft länger bleiben als die körperlichen Verletzungen», berichtet eine Mitarbeiterin der Opferberatungsstelle RIAS, die regelmäßig mit Betroffenen arbeitet.
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin in Berlin habe ich leider eine Zunahme solcher Vorfälle beobachtet. Besonders der Gesundbrunnen gilt als Brennpunkt – allein im vergangenen Jahr registrierte die Polizei hier 23 Angriffe mit mutmaßlich islamfeindlichem Hintergrund.
Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, da ein rassistisches Motiv nicht ausgeschlossen werden kann. Gegen den 39-Jährigen wurde ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung eingeleitet. Währenddessen fordern Anwohnerverbände mehr Präsenz von Sicherheitskräften an Verkehrsknotenpunkten wie dem Bahnhof Gesundbrunnen.
Was bleibt, ist die Frage: Wie können wir als Gesellschaft dafür sorgen, dass sich alle Menschen – unabhängig von Religion oder Herkunft – sicher in unserer Stadt bewegen können? Die mutigen Zeuginnen haben jedenfalls gezeigt, dass Zivilcourage einen Unterschied machen kann.