In Dresden zeichnet sich ein alarmierendes Problem ab: Trotz der milliardenschweren Investitionen in die Chipindustrie gibt es zu wenige Lehrkräfte, um Fachpersonal auszubilden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer warnte gestern bei einer Wirtschaftskonferenz: «Wir stehen vor einem ernsthaften Engpass.» Allein für die neue Halbleiter-Berufsschule im Norden der Stadt werden mindestens 40 zusätzliche Fachlehrer benötigt.
Die Zahlen sprechen für sich. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen 3.500 neue Arbeitsplätze in Dresdens Chipindustrie entstehen. Für viele Positionen werden spezialisierte Fachkräfte benötigt, die in der neuen Berufsschule ausgebildet werden sollen. Doch woher die Lehrer nehmen?
«Das ist wie ein Haus ohne Fundament zu bauen», erklärt mir Berufsschulleiter Thomas Winkler, während wir durch die noch leeren Klassenräume gehen. Seit 15 Jahren unterrichtet er Elektronik. «Viele meiner Kollegen gehen in den nächsten Jahren in Rente, Nachwuchs gibt es kaum.» Tatsächlich liegt das Durchschnittsalter der Berufsschullehrer in Sachsen bei 54 Jahren.
Die Wirtschaft reagiert bereits. TSMC, Intel und Infineon haben angekündigt, eigene Ausbilder zu stellen und Stipendien für Lehramtsstudierende anzubieten. «Wir können nicht warten, bis die Politik das Problem löst», betont Dr. Sabine Lehmann von der Industrievereinigung Dresden.
Was ich hier in Dresden beobachte, hatte ich vor Jahren schon in Baden-Württemberg gesehen: Große Versprechen der Politik, massive Investitionen der Industrie – aber niemand denkt frühzeitig an die Ausbildungsinfrastruktur.
Die Folgen könnten weitreichend sein. Ohne ausreichend Fachkräfte drohen Verzögerungen beim Aufbau der Chipfabriken. Für Dresden, das sich als «Silicon Saxony» etablieren will, steht viel auf dem Spiel.
Vielleicht braucht es jetzt kreative Lösungen: Pensionierte Ingenieure als Lehrkräfte? Mehr digitaler Unterricht? Die Uhr tickt – und die ersten Auszubildenden sollen bereits im September kommen.