In Hamburg wird heute heftig über die Zukunft der städtischen Infrastruktur diskutiert. Finanzsenator Andreas Dressel warnte vor einem «kurzen Strohfeuer» bei der Finanzierung wichtiger Zukunftsprojekte. Nach Berechnungen der Finanzbehörde fehlen der Hansestadt bis 2030 etwa 18 Milliarden Euro für den Erhalt und Ausbau von Verkehrswegen, Schulen und Klimaschutzmaßnahmen.
Was sich zunächst nach trockener Finanzpolitik anhört, betrifft jeden Hamburger direkt. An jeder zweiten Brücke im Stadtgebiet sind inzwischen Alterserscheinungen sichtbar. Die 70 Jahre alte Köhlbrandbrücke – eines der Wahrzeichen der Stadt – muss bis 2036 komplett ersetzt werden. Kostenpunkt: mindestens drei Milliarden Euro.
«Wir brauchen ein langfristiges Finanzierungskonzept statt kurzfristiger Notlösungen», betont Dressel im Gespräch. Der Finanzsenator kritisiert dabei offen die Bundespolitik: «Während Bayern konstant überdurchschnittlich bei Infrastrukturmitteln bedient wird, muss der Norden oft kämpfen.»
Bei meinem Ortstermin am Hafen wird das Problem greifbar. Containerfahrer Marco Lehmann zeigt auf tiefe Schlaglöcher: «Wir verlieren täglich Zeit durch marode Straßen. Das kostet die Wirtschaft Millionen.» Die Handelskammer Hamburg bestätigt: Der Sanierungsstau belastet den Wirtschaftsstandort zunehmend.
Besonders brisant: Hamburg muss gleichzeitig Klimaschutzmaßnahmen finanzieren. Die geplante Wärmewende allein verschlingt bis 2045 etwa 6,7 Milliarden Euro. Eine Herausforderung, die ich in ähnlicher Form schon in Stuttgart beobachten konnte, wo die Kommunen ebenfalls vor finanziellen Herkulesaufgaben stehen.
Die Stadt prüft nun verschiedene Modelle, darunter ein Sondervermögen nach Berliner Vorbild. Kritiker wie die CDU-Opposition warnen jedoch vor zusätzlicher Verschuldung. Bürgermeister Peter Tschentscher verspricht eine Entscheidung noch in diesem Jahr. Fest steht: Die Infrastruktur einer Metropole lässt sich nicht auf die lange Bank schieben – sonst bröckelt nicht nur der Beton, sondern auch die Lebensqualität der Hamburger.