In deutschen Wartezimmern verdichten sich die Gespräche über eine mögliche neue finanzielle Hürde beim Arztbesuch. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat einen Vorschlag ins Gespräch gebracht, der viele Patienten betreffen würde: Eine Gebühr von drei Euro pro Arztbesuch. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der das deutsche Gesundheitssystem mit steigenden Kosten und Personalmangel kämpft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verzeichneten wir 2024 rund 580 Millionen Arztbesuche – eine Zahl, die laut KBV durch eine «Steuerungsgebühr» effizienter gestaltet werden könnte.
Die Debatte ist nicht neu, erinnert aber an die zwischen 2004 und 2012 erhobene Praxisgebühr von zehn Euro, die damals pro Quartal fällig wurde. Der aktuelle Vorschlag unterscheidet sich in wesentlichen Punkten: Die drei Euro würden bei jedem Arztbesuch fällig, jedoch mit klugen Ausnahmeregelungen. Chronisch Kranke, Kinder und sozial Benachteiligte sollen verschont bleiben. Dr. Monika Häusler vom Verband der Hausärzte betont: «Wir wollen keine soziale Barriere errichten, sondern unnötige Konsultationen reduzieren und die wirklich Bedürftigen besser versorgen können.»
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagierte skeptisch. Deren Präsident verwies auf die Gefahr einer Verlagerung: «Patienten, die den Hausarzt meiden, könnten vermehrt die ohnehin überlasteten Notaufnahmen aufsuchen.» Internationale Erfahrungen aus Schweden, wo ein ähnliches Modell praktiziert wird, zeigen gemischte Ergebnisse. Die Anzahl der Bagatellkonsultationen ging dort um etwa 18 Prozent zurück, während die Versorgungsqualität für schwerer Erkrankte stieg.
Für mich als Beobachterin des Gesundheitssystems ist klar: Wir stehen vor einem klassischen Zielkonflikt zwischen Zugangsfreiheit und Ressourcenknappheit. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Politik den Mut findet, eine differenzierte Lösung zu entwickeln, die sowohl die finanziellen Realitäten als auch die Gesundheitsbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt. Der Vorschlag der KBV könnte ein erster Anstoß für eine längst überfällige Debatte sein – die allerdings weit über drei Euro hinausreichen muss.