Als ich gestern im Supermarkt stand, war es wieder so weit: Kopfschütteln beim Blick aufs Preisschild. Die Butter, die ich in den Einkaufswagen legte, kostete fast doppelt so viel wie vor drei Jahren. Im vergangenen Jahr sind die Lebensmittelpreise in Deutschland um durchschnittlich 12,4 Prozent gestiegen – so stark wie seit den 1950er Jahren nicht mehr.
Besonders hart trifft es Familien mit kleinem Einkommen in Ballungsräumen wie Düsseldorf oder Frankfurt. «Die Lebensmittelausgaben machen bei einkommensschwachen Haushalten bis zu 25 Prozent des verfügbaren Einkommens aus», erklärt Maria Schneider vom Verbraucherverband. «Jeder Preisanstieg schmerzt hier unmittelbar.»
Die Rekordsprünge zeigen sich vor allem bei Grundnahrungsmitteln. Speiseöle verteuerten sich um satte 87 Prozent, Milchprodukte um 34 Prozent. Mehl, Brot und andere Getreideprodukte kosten durchschnittlich 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gründe sind vielschichtig: anhaltende Lieferkettenprobleme, steigende Energiekosten und der Krieg in der Ukraine.
Supermarktketten reagieren mit immer mehr Eigenmarken im Discountsegment. «Wir sehen eine klare Verschiebung im Kaufverhalten«, bestätigt Robert Müller vom Handelsverband Deutschland. «Die Kunden weichen auf günstigere Alternativen aus oder verzichten ganz.»
Was mich besonders nachdenklich stimmt: In meinen 15 Jahren als Wirtschaftsjournalist habe ich selten erlebt, dass selbst die Mittelschicht beim Einkaufen so genau rechnen muss. An der Fleischtheke beobachte ich immer öfter Menschen, die nach dem Preis fragen und dann doch kopfschüttelnd weiterziehen.
Für die kommenden Monate rechnen Experten mit einer leichten Entspannung bei einzelnen Produktgruppen. Die Inflationsrate bei Lebensmitteln könnte auf 7-8 Prozent sinken. Doch von einer Rückkehr zu alten Preisen sind wir weit entfernt.
Am Ende bleibt die Frage: Wie viel darf Essen kosten in einem der wohlhabendsten Länder Europas? Angemessene Preise für Erzeuger und Bezahlbarkeit für alle Verbraucher – dieser Spagat wird uns noch lange beschäftigen.