Der olympische Traum könnte in Hamburg eine zweite Chance bekommen. Elf Jahre nach der schmerzhaften Ablehnung der Olympia-Bewerbung für 2024 denkt die Hansestadt über einen neuen Anlauf für die Sommerspiele 2036 oder 2040 nach. Ein entsprechendes Referendum könnte bereits 2026 stattfinden. Die politische Stimmung hat sich gewandelt – jetzt geht es darum, auch die Hamburger zu überzeugen.
Als Journalistin habe ich 2015 die Enttäuschung in meiner Heimatstadt hautnah miterlebt. 51,6 Prozent der Hamburger hatten damals gegen Olympia gestimmt. Heute spüre ich bei vielen Gesprächen eine andere Grundstimmung. «Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung sind deutlich besser als beim letzten Mal», sagt Hamburgs Sportsenator Andy Grote (SPD).
Die Rahmenbedingungen haben sich tatsächlich verändert. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat seine Anforderungen angepasst – weg von teuren Neubauten, hin zur Nutzung bestehender Infrastruktur. Auch die finanzielle Belastung soll geringer werden. «Hamburg könnte 80 Prozent der Wettkämpfe mit bereits vorhandenen Sportstätten abdecken», erklärt Sportökonom Wolfgang Maennig von der Universität Hamburg.
Ein weiterer Unterschied: Dieses Mal würden die Olympiapläne nicht erst kurz vor dem Referendum vorgestellt. Stattdessen soll die Bevölkerung von Anfang an einbezogen werden. Bei meinen Recherchen vor Ort merke ich, wie wichtig das für viele Hamburger ist. «Wir wollen, dass die Bürger den Olympia-Prozess mitgestalten», betont Sportstaatsrat Christoph Holstein.
Was bleibt, ist die Frage: Wird Hamburg beim zweiten Anlauf Ja zu Olympia sagen? Die Entscheidung könnte eine ganze Generation prägen – und die Stadt endgültig auf der olympischen Landkarte platzieren. Oder wie man in Hamburg sagen würde: «Nu oder nünich.»