Es gibt diese besonderen Momente im Sport, die unter die Haut gehen – selbst für einen, der schon viel gesehen hat. Der Auswärtsauftritt der Gladiators Trier in München am vergangenen Wochenende war genau so einer. Als ich die Rudi-Sedlmayer-Halle betrat, war sofort klar: Hier ist etwas anders. Eine Atmosphäre, die mehr an College-Basketball in den USA erinnert als an die gewohnte ProA-Liga-Kulisse in Deutschland.
Die Zahlen sprechen für sich: 6.102 Zuschauer, ausverkauftes Haus, eine Lautstärke, die man messen könnte. «Das war wirklich eine krasse Atmosphäre», bestätigte mir auch Gladiators-Kapitän Marcus Graves nach dem Spiel. «Du spürst die Energie von den Rängen bis auf den Court. Das pusht beide Teams.» Der Basketball-Boom, den wir gerade in Deutschland erleben, ist hier greifbar.
München hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem echten Basketball-Hotspot entwickelt. Die Kombination aus der EuroLeague-Teilnahme des FC Bayern und der bemerkenswerten Entwicklung der Nationalmannschaft zeigt Wirkung. Die App «Basketball ID» verzeichnet allein im Münchner Raum einen Anstieg der Hobby-Spielerzahlen um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders beeindruckend: Über 40 Prozent der Zuschauer in der Halle waren unter 25 Jahre alt.
Für die Trierer Mannschaft war diese Kulisse gleichzeitig Herausforderung und Motivation. Trotz der sportlichen Niederlage nahmen sie etwas mit aus München. «So eine Atmosphäre ist auch für uns als Team wertvoll», erklärte Cheftrainer Don Beck. «Hier zu spielen, lässt uns wachsen, auch wenn das Ergebnis heute nicht passt.»
Während ich die Halle nach dem Spiel verlasse, fallen mir die vielen jungen Basketball-Fans mit ihren Trikots auf. Manche tragen die des FC Bayern, andere NBA-Shirts, und dazwischen immer wieder die grünen Jerseys der Gladiators. Die Basketball-Community wächst – auch über Vereinsgrenzen hinweg. Was uns hier in München begegnet, ist vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was dem deutschen Basketball bevorsteht: Eine neue Ära der Begeisterung, die längst nicht mehr nur in den Metropolen spürbar ist.