Die Bahnstrecke über den Brenner ist seit gestern Vormittag unterbrochen. Ein Güterwaggon entgleiste nahe Rosenheim und beschädigte Gleise, Oberleitungen und eine Weiche. Fernzüge, regionale Verbindungen und der Güterverkehr nach Italien fallen aus oder werden umgeleitet. Laut Bahnsprechern könnte die Sperrung bis mindestens Donnerstag andauern.
Als ich heute an der Rosenheimer Station vorbeikam, sah ich gestrandete Reisende mit großen Koffern vor Anzeigetafeln voller roter Meldungen. Die Stimmung schwankte zwischen Resignation und Ungeduld. «Wir wollten eigentlich heute Nachmittag in Verona sein», erzählte mir Familie Müller aus Hamburg. «Jetzt müssen wir improvisieren.»
Die Deutsche Bahn hat einen Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Rosenheim und Kufstein eingerichtet. Für Fernreisende ist die Alternativroute über Salzburg die einzige Option – mit erheblich längerer Reisezeit. Ein Bahnsprecher betonte: «Unsere Techniker arbeiten unter Hochdruck an der Reparatur, aber die Schäden sind umfangreich.»
Besonders betroffen ist der Güterverkehr. Täglich passieren normalerweise 170 Güterzüge den Brenner – Waren im Wert von etwa 60 Millionen Euro. Spediteure prüfen nun alternative Transportwege, was die ohnehin angespannte Situation auf Bayerns Autobahnen verschärfen könnte.
Die Entgleisung zeigt einmal mehr, wie verletzlich unsere Verkehrsinfrastruktur ist. Ein einzelner technischer Defekt kann internationale Verbindungen tagelang lahmlegen – mit Folgen für tausende Reisende und die Wirtschaft beiderseits der Alpen.