Die vergangene Silvesternacht in Deutschland war von schweren Vorfällen überschattet. In Berlin starben zwei Menschen durch fehlgeleitete Böller, während in Bielefeld ein 19-Jähriger durch eine selbstgebaute Sprengvorrichtung ums Leben kam. Die Polizei meldete bundesweit über 400 Festnahmen und mehr als 250 verletzte Einsatzkräfte.
Als ich gestern Morgen durch Berlin-Neukölln ging, zeugten verkohlte Überreste von Feuerwerkskörpern und zerborstene Flaschen von der chaotischen Nacht. Die Stimmung war bedrückt. «So schlimm war es noch nie«, sagte mir Monika Wegner, die seit 30 Jahren an der Sonnenallee wohnt.
In Berlin wurden über 180 Menschen festgenommen, nachdem gezielte Angriffe auf Einsatzkräfte stattfanden. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einer «neuen Qualität der Gewalt«. Besonders erschreckend: Eine 42-jährige Frau und ein 67-jähriger Mann starben durch verirrte Feuerwerkskörper, die in ihre Wohnungen eindrangen.
In Bielefeld führte ein selbstgebauter Sprengsatz zum Tod eines 19-Jährigen. «Der junge Mann hatte keine Erfahrung mit Pyrotechnik«, erklärte Kriminalhauptkommissar Frank Berger.
Doch es gab auch positive Nachrichten: Die Böllerverbotszonen in Hamburg und München zeigten Wirkung. «Wo konsequent kontrolliert wurde, blieb es weitgehend ruhig«, bestätigt Polizeigewerkschaftsvertreter Jörg Radek.
Die Ereignisse der Silvesternacht werden politische Folgen haben. Innenministerin Nancy Faeser kündigte bereits eine Verschärfung des Waffenrechts und ein mögliches bundesweites Böllerverbot an. «Wir können nicht zusehen, wie jedes Jahr Menschen sterben und Einsatzkräfte angegriffen werden.«
Für mich steht fest: Wir müssen als Gesellschaft darüber nachdenken, ob unsere Silvestertraditionen noch zeitgemäß sind. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Sicherheit aller gefährdet wird.