Wer über Geld spricht, bricht oft ein Tabu. Doch gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit fragen sich viele: Verdiene ich eigentlich angemessen? Laut aktuellem Gehaltsreport liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt in Deutschland bei etwa 49.000 Euro. Doch hinter dieser Zahl verbergen sich gewaltige Unterschiede – je nach Branche, Region und Ausbildung.
In meinen 15 Jahren als Wirtschaftsjournalist habe ich eines gelernt: Zahlen allein erzählen nie die ganze Geschichte. Deshalb habe ich mit Menschen aus verschiedenen Berufsfeldern gesprochen. «Mein Netto von 2.200 Euro reicht in Düsseldorf kaum für eine vernünftige Wohnung und das Leben», berichtet Lisa K. (34), Erzieherin in einer städtischen Kita. Ganz anders klingt es bei Softwareentwickler Markus (29): «Mit 74.000 Euro brutto kann ich gut leben und sogar sparen.»
Die Gehaltslücke zwischen Berufen im Sozial- und IT-Bereich ist symptomatisch für unsere Wirtschaft. Während in Frankfurt die Banken-IT-Spezialisten Spitzengehälter erzielen, kämpfen Pflegekräfte trotz Fachkräftemangel um angemessene Bezahlung. «Die Wertschätzung unserer Arbeit spiegelt sich nicht im Gehalt wider», sagt Krankenpfleger Thomas W. aus Berlin.
Besonders auffällig: Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen noch immer durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer. Dieses Gender-Pay-Gap zeigt sich auch in meinen Gesprächen – selbst bei vergleichbaren Qualifikationen.
Was bedeutet das für uns alle? Transparenz bei Gehältern könnte ein erster Schritt zur Fairness sein. Denn nur wer weiß, was andere verdienen, kann selbstbewusst verhandeln. Die Frage bleibt: Spiegeln unsere Gehälter tatsächlich den Wert wider, den wir für die Gesellschaft schaffen? Darüber sollten wir häufiger offen sprechen.