Die Karnevalswagen in Düsseldorf rollen wieder – und diesmal sind mehr Menschen dabei als je zuvor. Zum ersten Mal können bis zu zwanzig Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer den kompletten Rosenmontagszug miterleben, direkt im Herzen des närrischen Treibens. Was für viele selbstverständlich klingt, war bislang ein logistisches Problem: Der über vier Kilometer lange Zug durch die engen Altstadtgassen stellte für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine kaum überwindbare Hürde dar.
«Es ist ein Meilenstein für die Inklusion im Düsseldorfer Karneval», erklärt Andreas Hartnigk vom Comitee Düsseldorfer Carneval. Seit Jahren schon bemühen sich die Karnevalisten um mehr Barrierefreiheit. Die Idee entstand nach Gesprächen mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt. «Jeder sollte die Chance haben, Teil unseres Brauchtums zu sein», betont Hartnigk.
Die Umsetzung war nicht einfach. Ein spezieller Wagen wurde umgebaut, Freiwillige geschult und die Streckenplanung angepasst. Die Kosten übernahmen die Sponsoren der Karnevalsgesellschaft. Als ich vor Ort mit den Teilnehmern spreche, ist die Begeisterung spürbar. «Ich wollte seit meiner Kindheit einmal mittendrin sein statt nur am Rand zu stehen«, erzählt die 42-jährige Marion Lenz, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt.
Dass es so lange gedauert hat, zeigt: Inklusion braucht manchmal einen langen Atem. In Hamburg kenne ich ähnliche Projekte vom Hafengeburtstag, die inzwischen selbstverständlich geworden sind. Düsseldorf zieht nun nach – und das ist gut so.
Für die kommenden Jahre plant das Comitee bereits Erweiterungen des Angebots. Der Karneval als Volksfest für alle, nicht nur als Phrase, sondern als gelebte Realität. Darauf ein dreifaches Helau!