Als ich gestern über den Römerberg schlenderte, konnte ich die Aufbruchstimmung in Frankfurt förmlich spüren. Die Stadt am Main wurde kürzlich zur «World Design Capital 2026» gekürt – eine Auszeichnung, die bisher nur Metropolen wie Seoul, Helsinki oder Kapstadt erhielten. Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef spricht von einem «Meilenstein für die Stadtentwicklung», der die Stadt international neu positionieren soll.
Frankfurt setzte sich gegen Konkurrenten aus Südkorea und Brasilien durch. Die Jury überzeugte das Konzept «Design für alle», das soziale Teilhabe und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt. Bereits 2024 fließen erste Fördergelder in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Insgesamt soll das Projekt rund 50 Millionen Euro kosten – finanziert aus öffentlichen und privaten Mitteln.
«Frankfurt hat das Potenzial, sich als Designstandort neu zu erfinden», erklärt Dr. Claudia Banz vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Die Expertin sieht besonders im Brückenschlag zwischen Finanzwirtschaft und Kreativsektor große Chancen.
In meinen fast zwanzig Jahren als Journalistin habe ich viele Stadtentwicklungsprojekte begleitet. Was Frankfurt auszeichnet: Der Ansatz, Design nicht nur als ästhetische Verschönerung zu verstehen, sondern als Lösungsweg für konkrete Stadtprobleme – vom bezahlbaren Wohnraum bis zur klimafreundlichen Mobilität.
Kritische Stimmen gibt es dennoch. Lokale Künstlerinitiativen befürchten, dass kleine Kreativszenen verdrängt werden könnten. «Wir brauchen keine teuren Leuchtturmprojekte, sondern bezahlbare Ateliers und Werkstätten», fordert die Frankfurter Designerin Mareike Weber.
Wird Frankfurt 2026 tatsächlich zur Designmetropole? Die Vorbereitungen laufen bereits. In den kommenden drei Jahren werden Bürger, Designer und Unternehmen zusammenarbeiten, um die Stadt neu zu denken. Ob daraus mehr wird als ein kurzfristiges Image-Projekt, hängt davon ab, wie nachhaltig die Ideen verwirklicht werden.