In Berlin werden immer mehr Menschen zu deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern. Die Zahl der Einbürgerungen ist im ersten Halbjahr 2024 stark gestiegen – um fast 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Von Januar bis Juni erhielten 8.100 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft, wie das Landesamt für Einwanderung mitteilte.
Auf den Fluren des Einbürgerungsamts an der Friedrichstraße sieht man die Veränderung deutlich. Wo früher vereinzelt Menschen auf ihren Termin warteten, bilden sich heute lange Schlangen. «Der Andrang ist enorm«, erklärt Amtsleiter Engelhard Mazanke. «Das neue Staatsangehörigkeitsrecht, das seit Juni gilt, hat das Interesse noch einmal verstärkt.»
Besonders viele neue Deutsche kommen aus Syrien, der Türkei und Afghanistan. Aus diesen drei Ländern stammten im ersten Halbjahr mehr als die Hälfte aller Eingebürgerten in Berlin. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit beträgt momentan etwa 14 Monate – eine Herausforderung für die Behörde.
«Viele warten jahrelang auf diesen Moment», erzählte mir kürzlich eine syrische Familie bei einer Einbürgerungsfeier im Rathaus Neukölln. Die Eltern leben seit neun Jahren in Deutschland, ihre Kinder gehen hier zur Schule. «Jetzt gehören wir wirklich dazu«, sagten sie mit strahlenden Augen.
Die Behörde hat auf den Anstieg reagiert und 20 zusätzliche Stellen geschaffen. Trotzdem kommt sie kaum hinterher: Derzeit warten etwa 33.000 Menschen auf ihre Einbürgerung in Berlin. Diese Zahl könnte weiter steigen, denn die erleichterten Bedingungen machen den deutschen Pass für viele erreichbarer. Für Berlin bedeutet dies eine zunehmend vielfältigere Stadtgesellschaft – mit allen Chancen und Herausforderungen, die dazugehören.