In Berlin sorgt ein unerwartetes Erbe für Aufsehen: Das Land hat Grundstücke und Immobilien im Wert von mehreren Millionen Euro geerbt. Die wertvollen Liegenschaften befinden sich in begehrten Lagen der Hauptstadt, unter anderem im Grunewald und in Zehlendorf. Gestern stellte Finanzsenator Stefan Evers die Details vor. Der unbekannte Erblasser hatte keine Angehörigen und bestimmte das Land Berlin als seinen Nachfolger.
«Dieser außergewöhnliche Fall zeigt, wie verbunden manche Berlinerinnen und Berliner mit ihrer Stadt sind», erklärte Evers bei der Präsentation. Insgesamt umfasst das Erbe acht Grundstücke, darunter mehrere bebaute Flächen und unbebaute Areale in Toplage. Nach ersten Schätzungen liegt der Wert des Nachlasses bei etwa 6,5 Millionen Euro.
Für die klamme Hauptstadt kommt dieses unverhoffte Geschenk zur richtigen Zeit. Als ich vor Jahren über die Haushaltslage Berlins berichtete, war von solchen Glücksfällen keine Rede – im Gegenteil. Die Immobilienexpertin Sabine Dörr vom Berliner Mieterverein sieht darin eine große Chance: «Die Stadt sollte diese Grundstücke für den Bau bezahlbaren Wohnraums nutzen, statt sie meistbietend zu verkaufen.»
Die Finanzverwaltung prüft nun, wie die Immobilien sinnvoll genutzt werden können. Teile des Erbes könnten für soziale Zwecke bestimmt werden. Der Fall erinnert mich an ein ähnliches Ereignis in München, als eine Rentnerin der Stadt ein Grundstück mit der Auflage vererbte, darauf eine Kindertagesstätte zu errichten.
Das unerwartete Millionenerbe zeigt, welche Bedeutung das Gemeinwohl für manche Menschen hat. In Zeiten steigender Immobilienpreise und Wohnungsnot könnte diese Zuwendung ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Entlastung des Berliner Wohnungsmarkts sein. Die Frage bleibt: Wie wird das Land dieses großzügige Vermächtnis nutzen?