Ungewöhnlich ruhiger Himmel über Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr: Die Region erlebte 2023 so wenige Blitzeinschläge wie noch nie seit Beginn der Messungen. Laut Siemens-Blitzatlas wurden in Berlin nur 351 Blitze gezählt – ein drastischer Rückgang um mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Brandenburg waren es mit 15.076 Einschlägen zwar deutlich mehr, dennoch ein historischer Tiefstand.
Diese Zahlen überraschen Meteorologen. «Wir beobachten seit Jahren eine hohe Schwankungsbreite, aber das vergangene Jahr war außergewöhnlich», erklärt Dr. Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens. Die Blitzdichte lag in Berlin bei nur 0,4 Einschlägen pro Quadratkilometer, in Brandenburg sogar nur bei 0,5 – weit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 0,7.
Die Ursachen sind vielschichtig. Der Sommer 2023 brachte zwar Hitze, aber weniger feuchte Luftmassen, die für kräftige Gewitter nötig sind. «Für einen ordentlichen Blitz braucht es nicht nur Wärme, sondern auch die richtige Mischung aus Feuchtigkeit und atmosphärischer Instabilität», so Thern.
Besonders blitzarm zeigte sich der Nordosten Brandenburgs mit der Uckermark. Als ich vor einigen Jahren dort recherchierte, erzählten mir ältere Bewohner noch von spektakulären Sommergewittern, die das flache Land regelmäßig heimsuchten. Diese Erinnerungen verblassen allmählich.
Bundesweit wurden rund 234.000 Blitze registriert – ebenfalls ein historischer Tiefstand und nur etwa ein Drittel des langjährigen Mittels. Experten des Deutschen Wetterdienstes sehen hierin jedoch keinen eindeutigen Klimatrend. «Ein einzelnes Jahr ist nie repräsentativ», betont Meteorologin Petra Fuchs. «Die Klimakrise zeigt sich eher in Extremereignissen und langfristigen Veränderungen.»
Bleibt die Frage, ob die blitzarmen Jahre zur neuen Normalität werden. Die hochsensiblen Messsysteme von Siemens erfassen selbst kleinste elektrische Entladungen in der Atmosphäre. Was sie uns über die Zukunft unseres Wetters verraten, werden erst die kommenden Jahre zeigen.