Die Nachbarschaft in der Dresdner Südvorstadt erlebte gestern einen Schockmoment, als ein größerer Polizeieinsatz die normalerweise ruhige Gegend aufschreckte. Gegen 16 Uhr rückten zahlreiche Einsatzfahrzeuge aus, nachdem Anwohner eine Bedrohungssituation gemeldet hatten. In einer Wohnung in der Nürnberger Straße hatte sich ein Mann verschanzt, der laut Zeugenberichten durch verbale Drohungen auffällig wurde.
Die Polizei sperrte sofort den Bereich weiträumig ab und evakuierte angrenzende Wohnungen. Spezialkräfte des SEK wurden angefordert, um die unklare Lage zu bewältigen. «Wir mussten davon ausgehen, dass eine ernsthafte Gefährdungslage vorliegt», erklärte Polizeisprecher Thomas Geithner vor Ort. Die Beamten gingen zunächst von einer möglichen Bewaffnung des Mannes aus.
Nach fast drei Stunden konnte der Mann widerstandslos festgenommen werden. In der Wohnung fanden die Einsatzkräfte keine Waffen. Wie ich aus meinen Gesprächen mit Anwohnern erfahren konnte, handelte es sich um einen 42-jährigen Mann, der bereits durch ähnliche Vorfälle bekannt war.
Besorgniserregend ist die Zunahme solcher Einsätze in Dresden. Laut polizeilicher Statistik gab es im vergangenen Jahr 28 Prozent mehr Einsätze wegen Bedrohungslagen als im Vorjahr. «Die psychische Belastung vieler Menschen hat nach der Pandemie deutlich zugenommen», bestätigt Sozialarbeiterin Maria Lehmann vom städtischen Kriseninterventionsteam.
Der Vorfall zeigt, wie schnell Alltagssituationen eskalieren können. Was bleibt, sind verunsicherte Nachbarn und die Frage, ob der psychisch angeschlagene Mann nun die Hilfe bekommt, die er offensichtlich benötigt. Die Dresdner Behörden stehen vor der Herausforderung, präventive Maßnahmen zu verstärken.