Brennende Autos, abgerissene Stromleitungen und tausende Berliner im Dunkeln: Die Sabotage am Stromnetz hat am Dienstagmorgen mehrere Stadtteile der Hauptstadt lahmgelegt. Betroffen waren vor allem Köpenick, Biesdorf und Kaulsdorf im Osten Berlins. Die Polizei spricht von einer «Großschadenslage» und ermittelt wegen des Verdachts auf politisch motivierte Brandstiftung. Über 30.000 Haushalte und Geschäfte waren zeitweise ohne Strom.
In den frühen Morgenstunden hatten Unbekannte an fünf verschiedenen Orten Feuer gelegt. «Die Täter sind gezielt gegen wichtige Infrastruktur vorgegangen», erklärte Polizeisprecher Martin Halweg. Besonders dreist: An einer S-Bahn-Brücke wurden Stromleitungen durchtrennt und in Brand gesetzt. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz, konnte aber nicht verhindern, dass große Teile des östlichen Stadtgebiets vom Stromnetz getrennt wurden.
Für mich als Reporterin, die schon viele Krisensituationen beobachtet hat, ist bemerkenswert, wie schnell die Verletzlichkeit unserer Infrastruktur sichtbar wird. In Köpenick erinnerten sich viele an den großen Stromausfall von 2019, der damals über 30 Stunden dauerte. «Wir haben sofort Kerzen angezündet und die Powerbank angeschlossen», erzählt Anwohnerin Sabine Weber (58). «Man lernt aus Erfahrung.»
Der Energieversorger Stromnetz Berlin arbeitete unter Hochdruck an der Wiederherstellung der Versorgung. «Unsere Techniker haben provisorische Leitungen verlegt, um die beschädigten Abschnitte zu überbrücken», sagte Unternehmenssprecher Olaf Weidner. Bis zum Nachmittag konnte die Stromversorgung für die meisten betroffenen Gebiete wiederhergestellt werden.
Die Behörden gehen von einem gezielten Anschlag aus. Ein angebliches Bekennerschreiben tauchte im Internet auf. Die Staatsanwaltschaft prüft die Authentizität. Innensenatorin Iris Spranger nannte die Attacke einen «schwerwiegenden Eingriff in unsere kritische Infrastruktur». Der Vorfall wirft erneut die Frage auf, wie verwundbar moderne Städte gegen solche Angriffe sind – und was passiert, wenn beim nächsten Mal mehr als nur der Strom ausfällt.