Der Stromausfall, der am frühen Dienstagabend rund 35.000 Haushalte und zahlreiche Geschäfte im Berliner Westen traf, entwickelt sich zur Geduldsprobe. In Teilen von Charlottenburg und Wilmersdorf müssen die Menschen weiterhin ohne Elektrizität auskommen. Die Ursache liegt in einer beschädigten Kabelverbindung zwischen zwei Umspannwerken, wie die Stadtwerke Berlin mitteilte.
Dass die Reparatur länger als üblich dauert, hat einen komplexen Grund: Die betroffenen Kabel liegen in einer Tiefe von über zwei Metern unter der Erde. Ein Techniker vor Ort erklärte mir gestern: «Wir müssen besonders vorsichtig vorgehen, da in diesem Bereich auch Wasserleitungen und Glasfaserkabel verlaufen. Ein falscher Baggerbiss könnte die Situation noch verschlimmern.»
Besonders betroffen sind ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Frau Müller aus der Kantstraße berichtet: «Mein Kühlschrank ist mittlerweile aufgetaut, die Lebensmittel musste ich wegwerfen.» Die Stadt hat Notunterkünfte in zwei Schulen eingerichtet, wo Betroffene mit Strom versorgt werden und ihre Geräte aufladen können.
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich selten erlebt, wie abhängig wir von funktionierender Infrastruktur sind. An den Gesichtern der Menschen in den Berliner Straßen lese ich eine Mischung aus Frust und bemerkenswertem Zusammenhalt. Nachbarn teilen Kerzen und haltbare Lebensmittel.
Die Stadtwerke rechnen mit einer vollständigen Wiederherstellung des Stromnetzes bis zum späten Mittwochabend. Diese Episode wirft die Frage auf, wie verwundbar unsere moderne Stadtinfrastruktur eigentlich ist – und ob wir als Gesellschaft genügend auf solche Szenarien vorbereitet sind.