In Öhringen im Hohenlohekreis hat sich die Einkehrkirche zu einem wichtigen sozialen Treffpunkt entwickelt. Was 2018 als kleine Initiative begann, zieht heute jeden Mittwoch zwischen 30 und 50 Menschen in die Räume der evangelischen Stiftskirche.
«Die Idee war eigentlich ganz einfach: Ein warmes Mittagessen, ein offenes Ohr und ein Ort zum Verweilen für jeden, der kommen möchte», erklärt Pfarrerin Martina Tomaïdes, die das Projekt gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern ins Leben gerufen hat.
In der Einkehrkirche geht es um mehr als nur Essen. Während die einen wegen finanzieller Not kommen, suchen andere vor allem Gesellschaft. Bei meinem Besuch letzte Woche treffe ich Helmut (74), der seit dem Tod seiner Frau regelmäßig teilnimmt. «Zu Hause ist es so still geworden», sagt er leise, während er seinen Kaffee umrührt.
Das Team von 15 Ehrenamtlichen bereitet nicht nur das Essen zu, sondern schafft eine Atmosphäre der Wertschätzung. «Wir schauen niemanden schief an, egal wie er aussieht oder woher er kommt», betont Teamleiterin Brigitte Schuster. Diese Haltung spürt man sofort beim Eintreten.
Besonders beeindruckt mich das generationenübergreifende Miteinander. Neben Rentnern kommen auch junge Familien und Alleinstehende jeden Alters. Die soziale Durchmischung ist bemerkenswert in Zeiten, in denen viele Menschen in ihren Blasen leben.
Finanziert wird das Angebot durch Spenden und Unterstützung der Kirchengemeinde. «Jeder gibt, was er kann», erläutert Tomaïdes das Konzept. Manche zahlen mehr, andere gar nichts.
In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wird die Einkehrkirche immer wichtiger. Sie zeigt, wie lokale Initiativen gesellschaftliche Lücken füllen können. Vielleicht braucht es in unseren Städten weniger große Programme und mehr solcher kleinen, menschlichen Begegnungsräume.