In Stuttgart wurden gestern zwei Artisten während einer Zirkusvorstellung schwer verletzt. Beim renommierten Zirkus Roncalli stürzten die beiden von der Kuppel des Zirkuszelts etwa acht Meter in die Tiefe. Das Unglück ereignete sich gegen 20 Uhr vor den Augen von rund 700 Zuschauern, darunter viele Familien mit Kindern.
Die Artistin Tatjana K. (32) und ihr Partner Michael S. (36) führten eine anspruchsvolle Nummer an Strapaten vor – speziellen Bändern, die von der Zirkuskuppel hängen. Plötzlich versagte die Technik. «Ein schrecklicher Moment, den niemand vergessen wird», berichtet Augenzeugin Marlene Weber. «Erst herrschte Totenstille, dann Panik.»
Rettungskräfte waren innerhalb von Minuten vor Ort und versorgten die Schwerverletzten. Nach Angaben der Klinik befinden sich beide Artisten mittlerweile in stabilem Zustand. Die Frau erlitt mehrere Knochenbrüche, ihr Partner eine schwere Gehirnerschütterung und Wirbelverletzungen.
Zirkusdirektor Bernhard Paul zeigte sich tief betroffen: «In 40 Jahren Zirkusgeschichte hatten wir noch nie einen so schweren Unfall. Die Sicherheit unserer Artisten hat höchste Priorität.» Eine technische Überprüfung soll nun klären, warum die normalerweise doppelt gesicherten Aufhängungen versagten.
Ich habe in meiner Karriere schon mehrere Unfälle in Manegen miterlebt, aber selten einen, der das Publikum so erschütterte. Besonders die Kinder waren verstört, viele weinten. Die Vorstellungen wurden für das Wochenende abgesagt.
Der Unfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit bei Zirkusvorführungen auf. Trotz strenger Vorschriften und regelmäßiger Kontrollen bleibt ein Restrisiko. Daran erinnert dieser Vorfall auf schmerzliche Weise. Wie wird der Zirkus, diese jahrhundertealte Kunstform, mit den wachsenden Sicherheitsanforderungen umgehen können, ohne seinen magischen Reiz zu verlieren?