In deutschen Supermärkten nimmt ein stiller Umbruch Fahrt auf: Immer häufiger stehen Kunden vor Selbstbedienungskassen. Allein im letzten Jahr hat sich die Zahl dieser Automaten verdoppelt. Was für Handelsketten als Effizienzmaßnahme gilt, sorgt bei vielen Verbrauchern für wachsenden Frust. Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt: Mehr als 60 Prozent der Deutschen lehnen diese Technik ab.
«Man fühlt sich wie ein unbezahlter Mitarbeiter», erklärt Renate Schmidt aus Düsseldorf, während sie im Supermarkt ihre Waren selbst einscannt. Die 68-Jährige vermisst den menschlichen Kontakt an der Kasse. Besonders ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern klagen über Schwierigkeiten mit der Technik.
Die Handelsketten verteidigen ihre Strategie. «Wir reagieren auf den Fachkräftemangel und bieten gleichzeitig mehr Wahlmöglichkeiten», betont Andreas Bauer vom Handelsverband Deutschland. Doch die Realität zeigt: Oft bleiben klassische Kassen unbesetzt, während sich an den wenigen geöffneten lange Schlangen bilden.
Was mich bei meinen Recherchen in Hamburg besonders überrascht: Die Technik scheint kaum durchdacht. Regelmäßig beobachte ich, wie das System bei Sonderangeboten versagt oder Kundinnen ratlos vor dem Gemüsekatalog stehen. Manchmal dauert der Bezahlvorgang dadurch sogar länger als an einer herkömmlichen Kasse.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert nun, dass mindestens die Hälfte aller Kassen weiterhin mit Personal besetzt sein müssen. Diese Forderung trifft einen Nerv. Für viele Menschen ist das Kassengespräch mehr als nur ein Bezahlvorgang – es ist ein wichtiger sozialer Kontakt im Alltag. Werden wir in Zukunft für menschlichen Service extra zahlen müssen?