Die Staatskasse klingelt mit CO2-Zertifikaten wie nie zuvor. Deutschland hat im ersten Halbjahr 2023 bereits 6,8 Milliarden Euro durch den Verkauf von Emissionsrechten eingenommen. Der Durchschnittspreis pro Tonne CO2 kletterte auf 86 Euro – ein historischer Höchststand. Für viele Unternehmen sind die steigenden Kosten für ihren Schadstoffausstoß längst zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor geworden.
Hier in Düsseldorf spüre ich bei Gesprächen mit Industrievertretern zunehmende Nervosität. Die Stahlindustrie im Ruhrgebiet steht besonders unter Druck. «Wir investieren Millionen in klimafreundliche Technologien, brauchen aber eine verlässliche Kostenplanung», erklärt mir Martin Berger, Nachhaltigkeitsmanager eines mittelständischen Stahlwerks.
Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen in den Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung. Daraus werden klimafreundliche Projekte finanziert – vom Gebäudesanierungsprogramm bis zur Förderung der Elektromobilität. Was dabei oft übersehen wird: Auch private Haushalte profitieren indirekt, etwa durch günstigere Kredite für energieeffizientes Bauen.
Seit ich 2008 während der Finanzkrise anfing, über Wirtschaft zu schreiben, habe ich selten ein Instrument gesehen, das Marktmechanismen so effektiv für den Umweltschutz nutzt. Die Herausforderung liegt nun darin, die Balance zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zu wahren.
Experten erwarten, dass die Preise weiter steigen werden. Für Verbraucher bedeutet das: Produkte mit hohem CO2-Fußabdruck werden teurer. Gleichzeitig wächst der Anreiz für Unternehmen, in grüne Technologien zu investieren. Die entscheidende Frage bleibt: Können wir den Klimaschutz beschleunigen, ohne unsere industrielle Basis zu gefährden?