In Berlin stehen erneut kritische Fragen zum großen Stromausfall vom Februar im Raum. Während über 30.000 Haushalte im Dunkeln saßen, spielte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner offenbar Tennis. Aus einer gestern veröffentlichten Senatsantwort geht hervor, dass Wegner erst drei Stunden nach Beginn des Ausfalls offiziell informiert wurde – zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Sporteinheit bereits beendet.
«Ich habe mich in meinem Büro eingesperrt», erinnert sich hingegen Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey an den Abend des 9. Februar. Sie musste ihre Arbeit bei Kerzenschein fortsetzen. Der massive Ausfall betraf Köpenick, Teile von Treptow und weitere östliche Bezirke. Ursache war ein Kabelbrand nach Bauarbeiten an der Salvador-Allende-Brücke.
Besonders brisant: Der zuständige Krisenstab wurde erst um 22:30 Uhr einberufen – fast vier Stunden nach Beginn des Stromausfalls. Laut Senatsantwort erhielt Wegner die erste Information um 20:15 Uhr per SMS, nachdem er sein Tennisspiel beendet hatte.
«Ein Regierender muss auch in Krisensituationen erreichbar sein», kritisiert Marcel Luthe, Vorsitzender der Bürgerinitiative «Wir Berliner». In meinen fast zwanzig Jahren als Journalistin habe ich selten eine so deutliche Kommunikationslücke in Krisenfällen gesehen wie hier in der Hauptstadt.
Die Opposition fordert nun Aufklärung über die Abläufe im Krisenmanagement. Während Tausende Berliner im Kalten saßen, scheinen die Informationswege in der Hauptstadt selbst im Dunkeln gelegen zu haben. Die Frage bleibt: Wann ist ein Stromausfall eigentlich groß genug, um den Regierungschef vom Tennisplatz zu holen?