In Berlin sorgt ein unerwarteter Aspekt des großflächigen Stromausfalls vom Wochenende für politische Diskussionen: Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch spielten während der Krise Tennis – während tausende Berliner im Dunkeln saßen. Am Samstagnachmittag hatte ein Brand im Umspannwerk Friedrichshain rund 30.000 Haushalte und Hunderte Gewerbebetriebe für bis zu 30 Stunden ohne Strom gelassen.
Die beiden CDU-Politiker waren beim Benefiz-Tennisturnier «Rot-Weiß Cup» im Grunewald anzutreffen, während in Teilen der Stadt der Notstand herrschte. «Es ist befremdlich, dass der Regierende während einer der größten Infrastrukturkrisen seit langem Tennis spielt, statt sich um die Berlinerinnen und Berliner zu kümmern», kritisiert die Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch.
Aus dem Roten Rathaus heißt es, Wegner sei durchgehend informiert gewesen und habe sich mit dem Krisenstab ausgetauscht. Die Teilnahme am Benefizturnier sei lange geplant gewesen. «Es waren nur wenige Bälle zum Anfixen», verteidigt ein Sprecher des Regierenden. Wegners Büro betont, der Bürgermeister habe keine Krisensitzungen versäumt.
In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung habe ich oft erlebt, wie symbolische Handlungen in Krisenzeiten besondere Bedeutung erlangen. Das Bild vom tennispielenden Regierungschef während eines Stromausfalls weckt unweigerlich Erinnerungen an Kaiser Nero.
Während die Opposition scharfe Kritik übt, zeigen sich viele Berliner in sozialen Netzwerken verärgert. «Was zählt, ist nicht nur das technische Krisenmanagement, sondern auch das Gefühl, dass unsere Politiker in schwierigen Momenten bei uns sind», sagte mir eine betroffene Anwohnerin aus Lichtenberg. Die Frage bleibt: Welches Signal sendet die Politik, wenn die Lichter ausgehen?