Die Folgen des großen Stromausfalls in Berlin beschäftigen die Politik noch immer. Während viele Berliner am Montag im Dunkeln saßen und zahlreiche Geschäfte und Restaurants schließen mussten, spielte der Regierende Bürgermeister Wegner Tennis – und das sorgt nun für heftige Kritik. Laut offiziellen Angaben waren rund 230.000 Haushalte und Unternehmen in Köpenick, Treptow und Teilen von Mitte über Stunden ohne Strom.
Der CDU-Politiker trainierte während der Krise für ein Benefizturnier, statt sich um die Notlage der Hauptstädter zu kümmern. «Ein Regierender Bürgermeister muss in Krisenzeiten präsent sein und Führung zeigen«, kritisierte die Berliner Linken-Abgeordnete Elif Eralp. Die BSW-Fraktion fordert sogar den Rücktritt Wegners. Ihr parlamentarischer Geschäftsführer May bezeichnete Wegners Verhalten als «instinktlos und respektlos».
Die CDU stellt sich jedoch geschlossen hinter ihren Regierungschef. Fraktionschef Dirk Stettner wies die Kritik als «absurd» zurück. Wegner selbst verteidigte sich mit dem Hinweis, er sei «zu jeder Zeit erreichbar» gewesen und habe sich über die Lage informiert.
Als ich vor einigen Jahren über den letzten großen Stromausfall in Köpenick berichtete, erlebte ich, wie wichtig sichtbare Krisenführung für die Bevölkerung ist. Die Stimmung kippt schnell, wenn Menschen das Gefühl haben, alleingelassen zu werden.
Experten für Krisenkommunikation betonen, dass gerade in Notlagen symbolische Handlungen wichtig sind. «Die physische Präsenz eines Regierungschefs am Ort des Geschehens hat eine beruhigende Wirkung«, erklärte mir Professor Hartmann von der Freien Universität Berlin.
Ob der Vorfall politische Konsequenzen haben wird, bleibt abzuwarten. Die Berliner Politik ist bekannt für ihre harten Auseinandersetzungen. Doch in einer Stadt, die ohnehin mit vielen Infrastrukturproblemen kämpft, könnte dieser Fauxpas das Vertrauen der Bürger weiter beschädigen. Wann ist ein Politiker eigentlich wirklich im Dienst – und wann darf er Mensch sein?