In Berlin brodelt die Diskussion um Bürgermeister Kai Wegner weiter. Der CDU-Politiker musste gestern sein Amt niederlegen, nachdem er während eines Tennisspiels im exklusiven Grunewald-Club zusammengebrochen war. Auslöser war offenbar ein Mix aus Erschöpfung, Hitze und – wie inzwischen bekannt wurde – Alkohol.
«Der Bürgermeister hat die Stadt im Stich gelassen», kritisiert SPD-Fraktionschefin Franziska Giffey. Nach Informationen unserer Zeitung hatte Wegner in den Wochen vor dem Vorfall kaum noch Termine wahrgenommen. Stattdessen verbrachte er bis zu vier Stunden täglich auf dem Tennisplatz, während wichtige Entscheidungen zur Wohnungskrise unbearbeitet blieben.
Ein Mitarbeiter aus Wegners Büro, der anonym bleiben möchte, berichtet: «Seit Monaten war er kaum noch erreichbar. Die Akten türmten sich, während er Tennis spielte.» Die Situation erinnert mich an frühere Politiker-Skandale in Baden-Württemberg, wo ich über ähnliche Fälle von Pflichtvernachlässigung berichtete.
Besonders brisant: Der Senat hatte erst vergangene Woche das 500-Millionen-Euro-Programm «Bezahlbares Berlin» auf Eis gelegt. «Während 30.000 Berliner verzweifelt Wohnungen suchen, spielte unser Bürgermeister Tennis und trank Champagner», so Mietervertreter Jörg Ullmann vom Berliner Mieterverein.
Die CDU hält sich mit Stellungnahmen zurück. Interims-Bürgermeisterin wird voraussichtlich Wirtschaftssenatorin Ute Berg. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Distanz zwischen Politik und Alltag der Bürger. Was bleibt, ist die Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?