Das verlassene Industriegebäude am Rand von Löbau erzählt eine Geschichte – die der einstigen Nudelfabrik, die jahrzehntelang Arbeitsplätze bot und ein Stück lokale Identität schuf. Seit gestern engagieren sich Architekturstudenten der TU Dresden vor Ort, um das vom Verfall bedrohte Kulturgut zu retten. Nach Angaben des Fördervereins «Historische Nudelfabrik» fehlen noch rund 1,2 Millionen Euro, um das Gebäude vollständig zu sichern.
«Wir sehen hier ein bedeutendes Zeugnis sächsischer Industriekultur», erklärt Professor Martin Trautwein von der TU Dresden, während er mit seinen Studierenden durch die hohen, lichtdurchfluteten Hallen geht. Die jungen Architekten dokumentieren den Bestand und entwickeln Nutzungskonzepte. Was mich bei meinem Besuch beeindruckt: Die Begeisterung, mit der die Studierenden an die Aufgabe herangehen.
Die Geschichte der Fabrik reicht bis ins Jahr 1909 zurück. Nach der Wende stand das Gebäude leer. Hannelore Schmidt, die Vorsitzende des Fördervereins, kämpft seit Jahren für den Erhalt: «Wir wollen hier keinen sterilen Museumsort schaffen, sondern einen lebendigen Ort der Begegnung.»
Dass nun die TU Dresden mit ins Boot kommt, wertet das Projekt auf. Die Studierenden sollen bis Sommer konkrete Pläne vorlegen. Die Stadtratsmitglieder zeigen sich offen – aber vorsichtig. «Die Finanzierung bleibt die größte Herausforderung», räumt Bürgermeister Dietrich Scholze ein.
Die Studierenden planen einen Ort, der Tradition mit Innovation verbindet. In Hamburg habe ich ähnliche Projekte begleitet, wo aus alten Industriebauten lebendige Kulturorte wurden. Das könnte auch in Löbau funktionieren. Wird das historische Gebäude zum Leuchtturmprojekt für die ganze Region?