Der Fall der Millionen-Buchhalterin erschüttert Essen. Eine 51-jährige Frau muss sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten. Der Vorwurf: Sie soll über Jahre hinweg fast eine Million Euro von ihrem Arbeitgeber, einem mittelständischen Unternehmen in Essen-Rüttenscheid, veruntreut haben. Das Geld floss offenbar in Luxusgüter und eine Immobilie am Starnberger See.
Die Angeklagte arbeitete seit 2011 als Buchhalterin und genoss das volle Vertrauen ihrer Vorgesetzten. Diese Stellung nutzte sie aus, um systematisch Geld abzuzweigen. «Sie hat ein komplexes System aus Scheinrechnungen und fiktiven Lieferanten aufgebaut», erklärte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt. Besonders pikant: Die Frau führte ein Doppelleben. Während sie in Essen in bescheidenen Verhältnissen wohnte, erwarb sie heimlich ein Ferienhaus in Bayern.
Ein ehemaliger Kollege berichtete im Zeugenstand: «Wir haben ihr blind vertraut. Sie war immer die Erste im Büro und die Letzte, die ging.» Mein Eindruck bei Prozessbeginn: Die Angeklagte wirkte gefasst, fast teilnahmslos, während ihr früherer Chef sichtlich erschüttert im Saal saß.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie anfällig mittelständische Unternehmen für Wirtschaftskriminalität sind. Die Verteidigung kündigte ein Geständnis an – möglicherweise in der Hoffnung auf Strafmilderung. Doch bei der Schadenssumme dürfte eine Haftstrafe kaum zu vermeiden sein. Wer hätte gedacht, dass hinter der unscheinbaren Fassade eine so ausgeklügelte Masche steckte?