In München kehrt das Surfen an der berühmten Eisbachwelle im Englischen Garten nach jahrzehntelanger rechtlicher Grauzone endlich in legale Gewässer zurück. Die Stadt hat das Wellenreiten am Eisbach nun offiziell freigegeben – eine Entscheidung, die rund 70 Jahre nach den ersten wagemutigen Surfern Rechtssicherheit schafft.
Der Stadtrat hat gestern mit großer Mehrheit beschlossen, das Surfen an der Eisbachwelle offiziell zu erlauben. «Nach Jahrzehnten im rechtlichen Niemandsland können die Surferinnen und Surfer nun ohne Sorge vor Bußgeldern ihrer Leidenschaft nachgehen«, erklärte Bürgermeisterin Verena Weber bei der Pressekonferenz. Die Freigabe gilt allerdings nur für erfahrene Surfer, Anfänger werden weiterhin auf die flachere Welle am Flosslände-Kanal verwiesen.
Bei meinem Besuch heute Morgen war die Stimmung an der Welle ausgelassen. «Es fühlt sich an, als wäre eine Last von unseren Schultern genommen», sagte Thomas Meier, der seit über 20 Jahren an der Eisbachwelle surft. Die kleine Surfer-Community hat sich über die Jahre zu einer festen Institution in München entwickelt. Jeden Tag, bei Wind und Wetter, sieht man die Wellenreiter in ihren Neoprenanzügen – ein Stück urbane Kultur, das längst zum Stadtbild gehört.
Die Besonderheit der Münchner Eisbachwelle liegt in ihrer Beständigkeit: Anders als im Meer muss man hier nicht auf die perfekte Welle warten, sie ist immer da. Bei meinen Recherchen zur Surferszene in Bayern habe ich gelernt: Was als Geheimtipp unter wenigen Enthusiasten begann, lockt heute Surfer aus der ganzen Welt an.
Die offizielle Freigabe kommt mit Auflagen: Haftungsausschlüsse werden deutlich sichtbar angebracht, und die Surfer surfen weiterhin auf eigene Gefahr. «Das Risiko bleibt, aber das gehört zum Sport dazu«, meinte eine Surferin, während sie ihr Brett unter den Arm klemmte und ins Wasser stieg.
Was bedeutet dieser Beschluss für Münchens Identität? Die Stadt umarmt damit ein Stück ihrer urbanen Wildheit – und erkennt an, was viele Münchner längst wussten: Die Eisbachwelle ist mehr als nur ein Ort zum Surfen, sie ist ein Symbol für das Lebensgefühl dieser Stadt, die zwischen Tradition und Moderne balanciert.