Das Sturmtief «Elli» wirbelt seit dem frühen Freitagmorgen durch Schleswig-Holstein und sorgt für erhebliche Beeinträchtigungen im Norden. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h fegen Orkanböen über die Küstenregionen. In Kiel stieg der Wasserstand bereits auf 1,5 Meter über dem normalen Wert, weitere Sturmfluten werden erwartet.
«Die Lage ist angespannt, aber unter Kontrolle», erklärt Torsten Meyer vom Landesamt für Küstenschutz in Husum. Besonders betroffen sind die Küstenabschnitte von St. Peter-Ording bis Flensburg, wo Wellen meterhoch gegen die Deiche schlagen. Fährverbindungen nach Helgoland und zu den Halligen wurden komplett eingestellt.
In Lübeck und Travemünde haben die Behörden vorsorglich mobile Hochwasserschutzwände aufgebaut. Die Menschen wurden aufgefordert, sich von den Deichen fernzuhalten. «Wer jetzt Sturmtourismus betreibt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch potenzielle Rettungskräfte«, warnt Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack.
Für Hamburg und die schleswig-holsteinische Ostseeküste gilt eine Sturmflutwarnung bis Samstagnachmittag. Nach meinen Beobachtungen aus zahlreichen Sturmflutberichten hat die Kommunikation der Behörden deutlich an Präzision gewonnen – früher wurden Warnungen oft zu spät ausgegeben.
Die Deutsche Bahn meldete zahlreiche Zugausfälle durch umgestürzte Bäume auf den Gleisen, besonders auf der Strecke Kiel-Hamburg. Meteorologen erwarten eine Entspannung der Lage erst am Samstagabend. Die Bewährungsprobe für den Küstenschutz zeigt wieder einmal, wie verwundbar unsere Küstenregionen trotz moderner Schutzmaßnahmen bleiben.