In Wedel, nördlich von Hamburg, müssen heute rund 12.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Grund ist die Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Bauarbeiten an der Feldstraße entdeckt wurde. Ab 9 Uhr morgens werden die betroffenen Gebiete evakuiert – ein logistischer Kraftakt für die 34.000-Einwohner-Stadt an der Elbe. Etwa 6.000 Haushalte sind betroffen.
«Die Bombe liegt in einem dicht besiedelten Gebiet, deshalb ist der Evakuierungsradius mit 1.000 Metern ungewöhnlich groß», erklärt Einsatzleiter Martin Schmidt. Für die Betroffenen hat die Stadt eine Notunterkunft in der Steinberg-Schule eingerichtet. Busse stehen für den Transport bereit.
Als ich vor Jahren über eine ähnliche Bombenentschärfung in Hamburg berichtete, beeindruckte mich vor allem die Ruhe der meisten Anwohner. «Das gehört zum Leben in Norddeutschland dazu», sagte mir damals eine ältere Dame mit Einkaufstasche. Diese pragmatische Haltung spüre ich auch heute in Wedel.
Besonders herausfordernd ist die Situation für pflegebedürftige Menschen. «Wir haben seit Tagen daran gearbeitet, alle zu identifizieren, die Unterstützung brauchen», sagt Wedels Bürgermeister Gernot Kaser. Krankenhäuser und Pflegeheime im betroffenen Gebiet wurden bereits gestern evakuiert.
Die Experten des Kampfmittelräumdienstes rechnen mit mehreren Stunden für die Entschärfung. Erst wenn die 500-Kilogramm-Bombe unschädlich gemacht ist, dürfen die Menschen zurück in ihre Wohnungen. Eine alltägliche Erinnerung daran, dass der Krieg auch 79 Jahre später noch im Boden unserer Städte schlummert.