Mitten in der Nacht zum Sonntag schreckte ein Feuer rund 150 Menschen in Dresden-Neustadt aus dem Schlaf. Gegen 2:30 Uhr brach der Brand im vierten Stock eines sechsgeschossigen Wohnhauses aus. Rauchschwaden zogen durch das gesamte Treppenhaus. Wie die Dresdner Feuerwehr mitteilte, wurden 15 Personen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, darunter vier Kinder.
Die Bilder der Evakuierung haben mich an einen ähnlichen Einsatz in Hamburg vor einigen Jahren erinnert. Auch dort sah man Menschen in Nachthemden und mit Decken um die Schultern, während Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten ins Gebäude eilten.
«Die Situation war zunächst unübersichtlich«, berichtet Einsatzleiter Frank Herrmann. «Unsere Priorität war es, alle Bewohner sicher aus dem Gebäude zu bringen.» Die Feuerwehr war mit 65 Einsatzkräften vor Ort und konnte den Brand nach etwa zwei Stunden löschen.
Besonders dramatisch: Eine Familie mit zwei Kleinkindern musste von der Drehleiter aus dem fünften Stock gerettet werden, da der Fluchtweg durchs Treppenhaus bereits versperrt war. Nachbarn berichteten von lauten Knallgeräuschen vor Ausbruch des Feuers. «Es hat zweimal laut geknallt, dann sah ich die Flammen», erzählt Anwohnerin Petra Müller.
Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und schließt Brandstiftung nicht aus. Der Sachschaden wird auf mindestens 200.000 Euro geschätzt.
Die meisten Bewohner konnten bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Für 28 Personen stellte die Stadt eine Notunterkunft in einer nahegelegenen Turnhalle bereit. Die betroffene Wohnung ist komplett ausgebrannt, drei weitere sind durch Löschwasser unbewohnbar.
Für Dresden ist es bereits der zweite größere Wohnhausbrand in diesem Winter. Erst im Dezember hatte ein Feuer in Striesen 80 Menschen obdachlos gemacht. Die Frage drängt sich auf: Sind die Brandschutzmaßnahmen in älteren Dresdner Wohnhäusern noch zeitgemäß?