Die Hoffnung keimt zwischen Behördengängen und Unsicherheit. Seit Januar 2023 gilt in Deutschland das Chancenaufenthaltsrecht – ein Hoffnungsschimmer für über 136.000 geduldete Menschen, die teils seit Jahren in einem rechtlichen Schwebezustand leben. «Wer fünf Jahre hier ist, soll die Chance bekommen zu bleiben», fasst Bundesinnenministerin Nancy Faeser die Regelung zusammen. Doch die Umsetzung läuft schleppend.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von den potenziell Berechtigten haben bislang nur etwa 44.000 Menschen tatsächlich einen Aufenthaltstitel erhalten. Viele scheitern an den Voraussetzungen oder an behördlichen Hürden. «Die größte Herausforderung ist die Identitätsklärung«, erklärt Rechtsanwältin Maren Weber aus Hamburg, die täglich Betroffene berät. «Menschen aus Kriegsgebieten können oft unmöglich an Originaldokumente kommen.»
Was ich in meinen Beratungsstunden in Baden-Württemberg immer wieder erlebe: Die Angst vor dem Gang zur Ausländerbehörde sitzt tief. «Jahrelang bedeutete jeder Behördenbesuch die Gefahr einer Abschiebung, dieses Misstrauen baut sich nicht über Nacht ab», beobachte ich bei vielen Familien.
In München hat die Stadt zusätzliche Beratungsangebote eingerichtet. «Wir wollen, dass die Menschen ihr Recht wahrnehmen können«, sagt Integrationsbeauftragte Carolin Mahler. Das Zeitfenster ist knapp: Anträge müssen bis Ende 2024 gestellt werden.
Die Regelung zeigt zwei Gesichter Deutschlands: Den Willen zur pragmatischen Lösung einerseits, bürokratische Hürden andererseits. Für Familien wie die Ahmadis aus Syrien bedeutet sie nach acht Jahren Duldung endlich Planungssicherheit. Für andere bleibt die Ungewissheit. Was wäre, wenn wir Integration nicht nur forderten, sondern auch ermöglichten?