In Wilhelmshaven spitzt sich der Konflikt um den Ausbau des LNG-Terminals und den Schutz von Brutvögeln zu. Während die niedersächsische Landesregierung den beschleunigten Ausbau des Flüssiggasterminals vorantreibt, schlagen Naturschützer Alarm: Über 1.000 Brutpaare seltener Vögel sind durch die Bauarbeiten bedroht. Besonders betroffen ist der streng geschützte Säbelschnäbler, dessen Population um 42 Prozent zurückgegangen ist.
Vor Ort wird deutlich, wie Energiesicherheit und Umweltschutz aufeinanderprallen. «Die Landesregierung setzt sich über geltendes EU-Recht hinweg», kritisiert Holger Buschmann vom NABU Niedersachsen. Die Behörden hingegen betonen die nationale Bedeutung der Gasversorgung. Wirtschaftsminister Olaf Lies verteidigt das Vorgehen: «Wir müssen die Energieversorgung sicherstellen, haben aber gleichzeitig Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz geschaffen.»
Als ich letzte Woche das Baugebiet besuchte, war der Kontrast frappierend: Auf der einen Seite die gewaltigen Baggerarbeiten, auf der anderen die Watvögel im Wattenmeer. Ein Fischer erzählte mir kopfschüttelnd, wie sich das Gebiet verändert hat. «Früher war hier nur Natur, heute dominiert die Industrie.»
Die EU-Kommission prüft bereits eine Beschwerde der Umweltverbände. Für die Region steht viel auf dem Spiel: Arbeitsplätze und Energiesicherheit gegen den Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer. Können wir beides haben? Die Antwort wird richtungsweisend für ähnliche Konflikte in ganz Deutschland sein.