Die öffentliche Anhörung im Fall des Millionenbetrugs bei einer Stuttgarter Wohnungsbaugesellschaft hat heute einen weiteren Höhepunkt erreicht. Im Fokus: Ein 42-jähriger Komplize, der der ehemaligen Finanzchefin geholfen haben soll, über 15 Millionen Euro zu veruntreuen. Das Landgericht Stuttgart ist heute bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Geschichte hat die Landeshauptstadt erschüttert: Über Jahre hinweg soll die frühere Finanzverantwortliche mit Hilfe des Angeklagten ein ausgeklügeltes System entwickelt haben, um Gelder auf private Konten umzuleiten. «Er war das Bindeglied zwischen den Geldströmen», erklärt Staatsanwalt Michael Freiherr während der Verhandlung. Der Angeklagte soll dafür rund 800.000 Euro erhalten haben.
Besonders brisant: Die Haupttäterin ist bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, während ihr Komplize bislang auf freiem Fuß blieb. «Das ist eine der größten Wirtschaftsstraftaten in der Geschichte Baden-Württembergs», betont Rechtsanwalt Peter Holzwarth, der die geschädigte Wohnungsbaugesellschaft vertritt.
Als ich den Angeklagten beobachte, fällt mir sein ruhiges Auftreten auf. Kein Zittern, keine Nervosität – so hatte ich mir einen mutmaßlichen Millionenbetrüger nicht vorgestellt. Die Geschädigten hingegen wirken angespannt. Ein Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft sagt mir: «Mit dem Geld hätten wir 60 Sozialwohnungen bauen können.»
Die Auswirkungen des Betrugs reichen weit: Bauprojekte wurden verschoben, Mieten erhöht. Der Prozess wird voraussichtlich bis Dezember dauern. Experten rechnen mit einer ähnlich hohen Strafe wie für die Haupttäterin. Was bleibt, ist die Frage, wie solche Betrügereien künftig verhindert werden können. Die Kontrollmechanismen haben offensichtlich versagt – ein Weckruf für alle öffentlichen Unternehmen.