In Berlin herrscht nach dem gestrigen flächendeckenden Stromausfall weiter Unruhe. Linksextremisten haben sich in einem Bekennerschreiben zu dem Anschlag auf die Stromversorgung im Osten der Hauptstadt bekannt. Rund 350.000 Menschen waren bis zu sechs Stunden ohne Elektrizität. Berlins Innensenatorin Felor Badenberg (CDU) spricht von einem «Angriff auf unsere kritische Infrastruktur» und kündigt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an.
Der Anschlag traf ein Umspannwerk in Lichtenberg kurz nach Mitternacht. In meinen 18 Jahren Berichterstattung habe ich selten eine solche Verunsicherung in der Bevölkerung erlebt. «Die Menschen standen vor verschlossenen Supermärkten, Ampeln fielen aus, Krankenhäuser mussten auf Notstrom umstellen», erzählt Polizeisprecherin Heike Winter. Die Gruppe «Grüne Extremisten» (GXE) übernahm in einem Online-Statement die Verantwortung und bezeichnete die Tat als «Protest gegen fossile Energiepolitik».
Experten sehen das Ereignis als Teil einer beunruhigenden Entwicklung. «Wir beobachten eine Radikalisierung bestimmter linksextremer Gruppen», erklärt Professor Michael Schneider von der Freien Universität Berlin. Der Verfassungsschutz hatte bereits im Dezember vor Anschlägen auf kritische Infrastruktur gewarnt. Besonders brisant: Die Täter gelangten offenbar problemlos auf das gesicherte Gelände.
Für Berlin bedeutet der Vorfall eine Zeitenwende in der Sicherheitspolitik. Energieversorger, Wasserwerke und Telekommunikationsanlagen sollen nun besser geschützt werden. Die Frage bleibt: Wie verletzlich ist unsere Stadt? Ein Gedanke, der viele Berlinerinnen und Berliner nicht mehr loslässt.