Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat heute eine Regierungserklärung zum massiven Stromausfall in Köpenick abgegeben. Der CDU-Politiker bezeichnete den seit Dienstag andauernden Blackout als «Weckruf für die gesamte Stadt«. Über 30.000 Haushalte und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe im Südosten Berlins sind betroffen.
«Unsere kritische Infrastruktur muss widerstandsfähiger werden«, mahnte Wegner im Abgeordnetenhaus. Der Stromausfall, verursacht durch eine beschädigte Hauptleitung, hat das Leben in Köpenick weitgehend lahmgelegt. Bei einem Spaziergang durch den Stadtteil gestern Abend sah ich dunkle Straßen und Menschen, die sich mit Taschenlampen behelfen. Eine Apothekerin erzählte mir: «Wir arbeiten mit Notbeleuchtung und Taschenlampen – wie vor hundert Jahren.»
Besonders hart trifft es die Älteren. Pflegeheime arbeiten mit Notstromaggregaten, die Feuerwehr richtet Notfallstationen ein. «Der Zusammenhalt der Menschen ist beeindruckend, aber es ist beschämend, dass so etwas in einer Hauptstadt passieren kann», sagte Renate Merkel (76) vom Seniorenbeirat Köpenick.
Die Berliner Stromnetzgesellschaft arbeitet rund um die Uhr an der Reparatur, bis Freitag soll der Strom wieder fließen. Doch der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie verletzlich ist unsere Infrastruktur? Wegner kündigte einen «Stresstest» für kritische Versorgungssysteme an und forderte mehr Investitionen.
Was in Köpenick als lokales Problem begann, könnte zum Umdenken in der ganzen Hauptstadt führen. Wird Berlin daraus lernen, bevor der nächste Winter kommt?