Die Deutsche Bahn stellte gestern die Weichen für eine der größten Baumaßnahmen in Stuttgart. Von Ende Juli bis Mitte Dezember müssen Reisende mit massiven Einschränkungen rechnen. Fast 70 Prozent der Zugverbindungen am Hauptbahnhof werden während der Bauphase ausfallen oder umgeleitet, betroffen sind täglich rund 330.000 Fahrgäste.
Als ich heute Morgen auf dem Weg nach Karlsruhe den Stuttgarter Bahnhof passierte, sah ich bereits die ersten Informationsplakate. Die Stimmung unter Pendlern ist angespannt. «Wir stehen vor einer logistischen Herausforderung ohnegleichen», erklärte Thorsten Krenz, DB-Konzernbevollmächtigter für Baden-Württemberg. Man arbeite mit Hochdruck an einem funktionierenden Ersatzkonzept.
Die Bauarbeiten sind notwendig, um die marode Infrastruktur zu sanieren und den Bahnhof für Stuttgart 21 vorzubereiten. Für viele Pendler bedeutet dies jedoch erhebliche Umwege. Zwischen Stuttgart und Mannheim werden Ersatzbusse eingesetzt, die Fahrzeit verlängert sich um bis zu 45 Minuten. Die S-Bahnen im Stuttgarter Netz sollen weitgehend planmäßig fahren und somit das Rückgrat des Nahverkehrs bilden.
Besonders betroffen sind auch Fernreisende. Die ICE-Verbindungen nach München werden umgeleitet, Fahrten nach Karlsruhe teilweise gestrichen. «Wir empfehlen allen Reisenden, ihre Verbindungen frühzeitig zu prüfen und mehr Zeit einzuplanen», so eine DB-Sprecherin. Die aktualisierten Fahrpläne sollen ab Anfang Juli verfügbar sein.
Im Gespräch mit Stuttgarter Geschäftsleuten nahe des Bahnhofs wird deutlich: Die Sorge vor Umsatzeinbußen ist groß. Die Bahn verspricht, die Arbeiten so effizient wie möglich durchzuführen. Doch ob der ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann? In Stuttgart erinnert man sich noch gut an frühere Verzögerungen bei Großprojekten.